Der Eurovision Song Contest 1964, die neunte Ausgabe der Veranstaltung, fand am 21. März in Kopenhagen, Dänemark statt und markierte damit die erste Austragung des Wettbewerbs in der nordischen Region. Das Ereignis wurde in der Tivoli Konzerthalle ausgerichtet, ein Jahr nach Dänemarks erstem ESC-Sieg mit „Dansevise“ von Grethe und Jørgen Ingmann.

Teilnehmer und bemerkenswerte Debüts

Sechzehn Länder nahmen zum vierten Mal in Folge teil. Ein besonderes Highlight war das Debüt Portugals, vertreten durch António Calvário mit dem Lied „Oração“. Es war der erste Auftritt des Landes und Portugal gehörte zu den ersten Teilnehmern, die null Punkte erhielten – zusammen mit Deutschland, der Schweiz und Jugoslawien.

Ein weiteres bemerkenswertes Debüt gab der österreichische Sänger Udo Jürgens, der mit „Warum Nur, Warum?“ den sechsten Platz belegte. Jürgens vertrat Österreich noch 1965 und 1966 und gewann den Wettbewerb mit „Merci, Chérie“ im Jahr 1966.

Die Schweizerin Anita Traversi nahm zum dritten und letzten Mal teil, nachdem sie zuvor Choraufnahmen gemacht und die Schweiz in früheren Wettbewerben solo vertreten hatte.

Das Vereinigte Königreich schickte Matt Monro, einen international bekannten Künstler, der „I Love The Little Things!“ präsentierte. Monro veröffentlichte zudem eine englische Coverversion von Jürgens’ Lied unter dem Titel „Walk Away“, die ein Charterfolg wurde.

Innovationen im Wettbewerb und Wertung

Spanien führte die erste Gruppe beim ESC ein: das Trio Tim, Nelly und Tony mit „Caracola“. Aufgrund der Regeln durfte jedoch nur Nelly den Lead-Gesang übernehmen, während die anderen Hintergrundgesang leisteten.

Die Niederlande wurden von Anneke Grönloh vertreten, der ersten performenden Person mit Migrationshintergrund beim Eurovision Song Contest und der ersten außerhalb Europas geborenen Teilnehmerin – sie stammte aus Indonesien.

Ein neues Wertungssystem wurde eingeführt, bei dem die Jurys neun Punkte auf ihre drei Favoriten verteilten: fünf Punkte für Platz eins, drei für Platz zwei und einen für Platz drei. Der Gewinner erhielt als Preis eine gravierte Silbermedaille.

Italiens erster Sieg beim Eurovision Song Contest

Italien errang seinen ersten Sieg dank der 16-jährigen Gigliola Cinquetti und ihrem Lied „Non Ho l’Età“. Cinquetti wurde damit zur jüngsten Gewinnerin der damaligen Zeit, eine Bestmarke, die bis 1986 Bestand hatte. Sie gewann mit deutlichem Vorsprung und 49 Punkten.

Gigliola kehrte später als Teilnehmerin 1974, als Gastgeberin 1991 und als Gasttanzact 2022 zurück, um ihr Siegerlied von 1964 zu ehren.

Archivfunde und Bemühungen zur Bewahrung

Aufgrund der damals begrenzten Fernsehtechnologie wurden zunächst keine vollständigen Videoaufnahmen des ESC 1964 archiviert, wodurch dieser als „verlorene“ Ausgabe eine legendäre Aura erhielt. Kürzlich konnten dank der dänischen Rundfunkanstalt DR und der finnischen Yle zuvor verschollene Aufnahmen von Gigliola Cinquettis Siegesperformance wiedergefunden und auf den offiziellen Eurovision-Plattformen veröffentlicht werden.

Im April 2026 startete Eurovision eine weltweite Initiative zur Suche nach fehlenden Aufzeichnungen der ersten Wettbewerbe, einschließlich der Jahre 1956 und 1964, in der Hoffnung, dass Fragmente oder vollständige Aufnahmen noch in Privatsammlungen oder Archiven existieren.

Dieser erneute Blick auf Kopenhagen 1964 bietet Fans neue Einblicke durch Archivbilder, Künstlertgeschichten, detaillierte Wahldaten und eine neue Wertschätzung für einen der historisch bedeutendsten Eurovision Song Contests.